13 wichtige Sätze

…zum Thema „Familienhund“ im Alltag

1. Patentrezepte helfen selten, „die Methode“ und „den Hund“ gibt es nicht. Hundeerziehung muss individuell und stets der Situation angepasst sein. Es ist ein fließender Vorgang, bei dem die Beziehung zwischen Besitzer und Hund eine große Rolle spielt, genauso wie das Beachten der einzelnen Persönlichkeiten und das Überprüfen der eigenen Erwartungen (weiterführende Infos unter: „Hunde, jeder eine eigene Persönlichkeit“).

2. Dominanz ist EIN Verhalten, kein fester Charakterzug. DEN dominanten Hund gibt es nicht, bei „Dominanzproblemen“  muss in vielen Fällen die Beziehung und der Alltag angeschaut werden. Es gibt Tendenzen in der Genetik -stärkere Persönlichkeiten, die meinungsstabil sind oder schwächere Persönlichkeiten, die sich gern anpassen- allerdings wachsen Persönlichkeiten an ihren Umwelterfahrungen. (weiterführende Infos unter: „Dominanz und Rudelstellung“).

3. Ein ausgeglichener Hund hat innerhalb eines Tages ein natürliches Ruhe-/Schlafbedürfnis von 17-20 Stunden (Welpen und Seniorenhunde ruhen/schlafen sogar ca. 22 Stunden, wenn ihnen die Ruhemöglichkeit eingeräumt wird).

4. Augen auf beim Welpenkauf!“: Nach Mutter und Vater der Welpen fragen, nach Möglichkeit beide besichtigen und das Verhalten beobachten. Die ersten 4 Monate eines Welpen sind als Sozialisierungsphase sehr wichtig, alles was er in dieser Zeit an POSITIVEN und NEGATIVEN Reizen aufnimmt, prägt den Hund (gilt auch und insbesondere für Hunde aus dem Ausland). Außerdem sorgt ein ausgeglichenes Umfeld und eine ausgeglichene Mutterhündin bereits im Mutterleib für eine gute Basis um einen ausgeglichenen Welpen zu  bekommen. Trotzdem: auch wenn der Start ins Hundeleben nicht optimal verlaufen ist, ein Hund lernt ein Leben lang und nichts ist „in Stein gemeißelt“. Finger weg von den sogenannten Vermehrerwelpen (Welpen vom „Polenmarkt“ oder auf Ebay günstig verscherbelt). Sie haben häufig neben den gesundheitlichen Einschränkungen, ein Leben lang große Probleme mit dem eigenen Stress(kompensations)system. Und jeder verkaufte Welpe führt zu Nachschub in der „Produktion“.  (weiterführende Infos unter: „Wie bildet sich eine Persönlichkeit?„)

5. „Augen auf“ bei Hundetrainern und Hundeexperten. Es gibt gute Hundetrainer und leider nicht so gute. Bevor ein Hund trainiert wird, sollte er genau charakterisiert  (siehe Punkt 3) und die Wurzel des Problems erkannt werden. Das Repertoire eines Trainers sollte groß sein und ohne jegliche ideologische Einfärbung (pauschale Sätze wie: „ich arbeite NUR positiv“, „der Hund MUSS hören und wissen wer hier der BOSS ist!“ sollten einen aufhorchen lassen). Vorgeschlagene Methoden sollten genau erklärt und begründet werden (weiterführende Infos unter: „Hundetrainer“). Als Kunde haben Sie ein Recht darauf, sich verstanden und gut aufgehoben zu fühlen. Vorsicht ist bei der Übernahme von Trainingsmethoden aus den Medien angebracht: Trainingsmethoden bringen nur den Hunden etwas,  zu denen sie auch passen. Hunde sind in ihrer Persönlichkeit genauso einzigartig wie wir Menschen.

6. Für den Hund soll der Mensch im Mittelpunkt stehen, nicht der Leckerlibeutel, der Ball oder die Frisbee. Als Motivationshilfe können die Leckerlis und Gegenstände sicherlich mal eingesetzt werden, aber es sollten keine „Lebensinhalte“ werden (weiterführende Infos unter: „Junkieverhalten bei Hunden“).

7. Eigentlich selbstverständlich: Schlagen und Treten eines Hundes ist so unnötig wie effektlos (zumindest ohne positiven Effekt). Grenzen ziehen oder setzen kann je nach Hund unterschiedlich geschehen, manche Hunde brauchten sehr deutliche Grenzen, bei anderen reicht der zarte Hinweis. Emotionale Entgleisungen sind vor allem beim Grenzen setzen tabu, ernstgemeinte Ansagen aber erwünscht.

8. Ein Hund ist ein Hund, kein Mensch, kein (reines) Kuscheltier und kein Kind.

9. Ein Hund braucht Aufgaben, sonst sucht er sich diese selbstständig (und nicht immer in unserem Sinne). Ein Hund braucht Grenzen, in denen er sich frei bewegen kann. Ein Hund braucht das Beachten und Stillen seiner Bedürfnisse, im Rahmen unserer Möglichkeiten. Ein Hund braucht Planungssicherheit und Menschen, die ihn lesen können und auf die er sich verlassen kann (weiterführende Infos unter: „Auslastungsmethoden“ und „Die Bedürfnisse des Hundes“).

10.  Hundebegegnungen: Knurren, Lefzen hochziehen u.ä. gehören zur Hundesprache. Das bedeutet nicht gleich, dass der Hund ein Aggressionsproblem hat. Trotzdem sollte der Hund jederzeit durch seinen Halter lenkbar sein. Bei einer Hundebegegnung mit einem unbekannten Hund an der Leine bitte aus Höflichkeit und Respekt immer den eigenen Hund anleinen. Nach Absprache mit dem Besitzer können die Hunde dann abgeleint werden. Zum Thema Spiel: wenn Hunde spielen, gibt es eindeutige Signale, die ein Spiel erkennen lassen. Eine entspannte Atmosphäre, Rollenwechsel (mal liegt der eine oben, mal der andere), entspannte oder übertriebene Mimik, verschiedene Funktionskreise (Jagen, Kämpfen etc.) werden ohne Endhandlung (töten, schütteln) vorgenommen. Ist ein Hund immer der Gejagte, ist es kein Spiel. Sucht der Hund Schutz bei seinem Besitzer, sollte der Schutz auch gewährleistet sein und die anderen Hunde abgewiesen werden.

11. Menschenbegegnungen: Fühlt ein Mensch sich durch Ihren Hund belästigt (ob gerechtfertigt oder nicht), bitte nehmen Sie Rücksicht. Es gibt tatsächlich Hundephobiker. Und Rücksichtnahme führt immer zu mehr Toleranz. Bitte räumen Sie die Haufen ihres Hundes weg, das sorgt für wesentlich mehr Entspannung bei Nichthundebesitzern.

12. Kind und Hund kann eine wundervolle Kombination sein, solange beide respektvoll miteinander umgehen. Im hierarchischen Denken eines Hundes taucht ein Kind erst ab der Pubertät auf, vorher sollte immer ein Erwachsener der „Anleitende“ sein (weiterführende Infos unter: Kind und Hund).

13. Eine Kastration ersetzt nicht die Erziehung. Bei einem übersteigerten Sexualverhalten (der Hund hat nur noch Streß aufgrund seiner Triebe) und aus einer medizinischen Indikation heraus, kann zu einer Kastration geraten werden. Von einer Frühkastration und einer Kastration bei einem ängstlichen Hund ist abzuraten: die Sexualhormone sind wichtige Gegenspieler des „Stresshormons“ Cortisol und sie unterstützen im Wachstum die Knochendichte und die Stabilität des Gelenkapparats. Ein lesenswerter Artikel hierzu von einem Tierarzt: „Kastration“.

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