Auslastungsmethoden

Ein ausgelasteter Hund ist ein zufriedener Hund

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Warum sollte ein Hund speziell ausgelastet werden?

Manchen Hunden wird viel abverlangt: das „Lesen“ unserer Wünsche und Erwartungen („Du sollst ruhig an der Leine gehen“), das Erleben unserer Emotionen, das Leben in unserem teilweise lauten und stressigen Alltag und immer wieder das Verlangen, sich nicht hundetypisch zu verhalten (lautstarkes Bewachen des Grundstücks, Hetzen von Wildtieren, draußen nach Fressbaren suchen, Aggression als Kommunikation etc.). Das kann zu Frust führen. Schön ist es, wenn der Hund gelernt hat mit Frust umzugehen, noch schöner ist es, wenn wir ihm dazu noch eine Kompensation bieten.

In der Auslastung geben wir dem Hund eine Möglichkeit zum „Dampf ablassen“. Wir geben ihm eine Aufgabe, die sich an seinen Bedürfnissen orientiert, aber in unserem Sinne liegt. Im Vordergrund jeglicher Auslastungsform, sollte immer der gemeinsame Spaß stehen. Wer seinem Hund echte Freude an einer gemeinsamen Tätigkeit zeigt, wird einen hochmotivierten Hund erleben, der sich im Alltag gern an seinem Menschen orientiert. Zudem stärkt unseren Viebeiner ein gelegentliches „Heldentum“, bei dem wir stolz auf unserem Hund sind und seine Augen leuchten lassen.

Optimistisch, positiv und gestärkt lässt sich besser mit Widrigkeiten umgehen. Ein wichtiges Thema vor allem für Hunde, die Schwierigkeiten im Umgang mit Stress und Konflikten haben.

Eine Mischung aus körperlicher Auslastung, Nasen- und Kopfarbeit schafft einen optimal ausgelasteten Hund. Je nach Rasse und individueller Ausprägung können die Schwerpunkte unterschiedlich liegen. Einige Formen der Auslastung können als Therapie genutzt werden: zum Beispiel sorgt bei einem hyperaktiven Hund eine ruhige Kopf- oder Nasenarbeit für Ausgleich. Oder zur Erziehung: zum Beispiel das Longieren zur Steigerung des Innenfokus des Hundes (=Beachten des Besitzers auch unter Ablenkung), zur Verbesserung der Kommunikation und der Führkompetenz des Besitzers.

Verschiedene Formen der Auslastung und Beschäftigung können hier ausprobiert werden.

Braucht jeder Hund eine spezielle Auslastung?

Nein. Ich kenne viele Hunde, denen das „Mitlaufen“ im Alltag inkl. einiger Spaziergänge völlig ausreicht. Es kommt auf den Hund und den Alltag des Menschen an. Bei manchen Hunden ist eine spezielle Auslastung sinnvoll, bei anderen kann es zuviel sein. Besondere Vorsicht ist bei hyperaktiven Hunden geboten. Die Denkweise „der Hund beruhigt sich, wenn er mehr Bewegung bekommt“ ist eher kontraproduktiv, vor allem wenn es sich um Bewegung handelt, die den Beutehetz-/jagdmodus des Hundes anspricht (Ball, Frisbee etc.).


Bei der Auslastung gilt Qualität vor Quantität.


Auslastung „Nasenarbeit“

Nasenarbeit ist generell alles, bei dem der Hund durch den Einsatz seiner Nase zu einem Erfolg kommt. Ob der Futterbeutel gesucht wird, bestimmte Gerüche konditioniert und angezeigt werden (Schimmel, Gegenstände etc.) oder den einzelnen Geruchspartikeln eines Menschen oder eines Tieres folgend, für die Arbeit mit der Nase ist der Hund prädestiniert. Die Geruchswelt der Hunde ist für uns Menschen kaum nachvollziehbar. Sie nehmen Gerüche über verschiedene Kanäle auf und haben ein im Vergleich zum Menschen sehr großes Riechhirn (im Allocortex), sie können Gerüche sogar schmecken (Jacobsonsches Organ).

Je feiner der Geruch ist, desto anstrengender wird es für den Hund. Wenn Gegenstände, wie z.B. ein Radiergummi, Kugelschreiber und Schlüssel versteckt werden, ist das selbst für die gute Nase des Hundes eine Herausforderung diese zu finden. Da bei dieser Form der Nasenarbeit der Hund und der Halter zusammenarbeiten, wird ebenfalls die Beziehung gestärkt. Das Anzeigen des gefundenen Gegenstandes erfolgt durch ruhiges Ablegen. Für hyperaktive oder übererregte Hunde sehr sinnvoll. Die Profis schwören auf ZOS -Zielobjektsuche- (empfehlenswertes Buch dazu: ZOS im KOSMOS Verlag erschienen), hier gibt es auch den Sportbereich mit Wettkämpfen.

 

Als kleine Auslastung zwischendurch und als Solitärspiel geeignet ist die Futtersuche. Einfach das Futter (je kleiner die Futterbrocken, desto auslastender!) auf den Rasen streuen und den Hund suchen lassen. Suchdecken, Suchkisten und Futterbälle sind auch sehr beliebt und lassen sich problemlos in den Alltag integrieren. Eine Suchkiste direkt neben der Haustür, in der vor dem Verlassen des Hauses ein paar Leckerlis reingeworfen wird, kann eine Trennung positiv belegen.

Suchdecke 3          Suchkiste

Nasenarbeit ist eine gute Möglichkeit um gegen Angstverhalten vorzugehen. Wenn der Hund konzentriert einem Geruch hinterhergeht, vergisst er schnell seine Umgebung. Ist die Nasenarbeit gut aufgebaut, werden auch Konflikte, die sonst für Aufruhr sorgen, positiv belegt oder gänzlich ausgeblendet. Der Hund befindet sich “in der Arbeit”. Nasenarbeit kann mit den richtigen Methoden beruhigend auf den Organismus wirken (ideal für hyperaktive/aufgeregte Hunde).

Mantrailing und Fährtenarbeit gehören ebenfalls zu den anspruchsvolleren Auslastungsmethoden für die Nase des Hundes.

Mantrailing: das Finden der Versteckperson mit der wichtigen Belohnung

Es gibt noch viele weitere Möglichkeiten der Nasenarbeit.

Auslastung „Kopfarbeit“

Kopfarbeit- der Hund muss nach- und mitdenken….

Longieren mit dem Hund stärkt vor allem den Innenfokus (= das Beachten des Besitzers auch unter Ablenkung) des Hundes, weil er bei dieser Auslastungsmethode extrem auf die Bewegungen des Halters achten muss. Der Halter als „Mittelpunkt“ muss auf seine eigene Körpersprache achten und den Hund um den Kreis leiten (je nach Hund können als Motivationshilfe zum Anfang Leckerlis und Lautäußerungen eingesetzt werden). Das Kreisinnere ist tabu für den Hund. Es wird wunderbar körpersprachlich kommuniziert, mit einiger Übung dann auch auf Distanz. Und wie heißt es doch: „Distanz schafft Nähe!“. Im fortgeschrittenen Stadium steht der Mensch in der Mitte des Kreises und gibt nur noch mit kleinen Gesten Richtung und Tempo vor. Ist dieser Stand erreicht, ist auch das „freie Longieren“ möglich: ohne sichtbarer Begrenzung (wie das Absperrband oder Pylonen) kann der Mensch den Hund körpersprachlich leiten. Prädikat: besonders wertvoll!

Buchempfehlung zum körpersprachlichen Longieren: hier.

„Gespräche“ am Kreis

„Zuhören“ heisst es für den Vierbeiner, deutliche (Körper-)sprache für den Zweibeiner.

Hilfe im Alltag durch den Hund ist eine weitere Form der Auslastung aus dem Trick-Dog Bereich. Dem Hund wird beigebracht im Haushalt “mitzuhelfen”, z.B. Schuhe wegräumen, Altpapierkartons zerkleinern, Licht an- und ausmachen und wenn ein Baby im Haushalt ist, kann er auch die Windel in den Mülleimer bringen. Das schafft nicht nur eine Integration des Hundes in den Alltag, sondern gibt ihm auch eine Aufgabe.

Dog Dance ist eine schöne Form des körpersprachlichen Miteinanders von Hund und Besitzer. Diese Auslastung schafft Nähe und Vertrauen zum Besitzer, wenn beide Spaß daran haben. Als Therapie für Hunde geeignet, die bisher nicht so positive Erfahrungen mit Menschen gemacht haben. Stärkt, wie das Longieren auch, den Innenfokus. Oft sind wendige, schnelle Rassen wie Border Collies und Australien Shephards beim Dog Dance vertreten. Dass auch „schwere Jungs“ diese Auslastung wunderbar leisten können, zeigt dieses Video.

Selbstständiges Lösen von Aufgaben ist gerade für unsichere Hunde eine gute Form der Kopfarbeit. Natürlich werden die Hunde während des Lösens der Aufgabe von ihrem Halter gelobt, das stärkt die Selbstsicherheit und die Bindung. Eine Aufgabe kann zum Beispiel ein Labyrinth aus Stühlen oder Kartons sein, in dem der Hund nach einem Futterbeutel sucht. Oder auch den Futterbeutel im Schrank (mit angelehnter Tür) verstecken, welche Ideen entwickelt der Hund, um diese Aufgabe zu lösen? Oder Leckerlis auf ein DIN-A-4 Blatt legen und das Blatt unter einen Schrank schieben, so dass nur noch der Papierrand rausschaut und den Hund dann beim Lösen dieser Aufgabe anfeuern. Weitere Ideen auf dieser Homepage: Spass mit Hund.

Aus dem Trick Dog Bereich stammt ein sehr schönes Element, das auch unter alltäglichen Bedingungen (z.B. Zeitmangel) gut genutzt werden kann. Free Shaping  (=freies Formen) wird es genannt und bedeutet den Hund für jegliche Ideen, die er hat, zu belohnen und daraus, wenn gewünscht, ein neues Verhalten zu formen. Häufig wird hier der Klicker zum punktgenauen Bestätigen eingesetzt. Zum Beispiel wird eine leere Kiste vor den Hund gestellt und jegliche Aktion des Hundes mit der Kiste positiv bestätigt. Bald kommt der Hund auf einige Ideen und entwickelt Spaß daran, sich frei von den sonstigen Erziehungsmaßnahmen auszuleben. Gerade für ängstliche, misstrauische oder ideenlose Hunde ein sinnvolle Auslastungsmethode, bei der „Nachdenken“ erwünscht ist.  Außerdem ist es für Kind + Hund eine tolle Sache, an der beide Spaß haben (siehe Artikel Kind und Hund).

Sucharbeit im Trümmerfeld bedient gleich mehrere Felder: durch die verschiedenen „Trümmer“, die aufeinandergestapelt werden, entsteht ein wackliger Untergrund. Hier muss der Hund Mut beweisen und kann mit der Unterstüzung seiner Menschen über sich hinauswachsen. Mit seiner Nase muss er den zu suchenden Gegenstand (Futterbeutel oder andere Objekte) lokalisieren und diesen dann aus den Trümmern „bergen“. Es schult nebenbei die körperliche Selbstwahrnehmung und sorgt bei Erfolgen für mehr Selbstbewusstsein. Ist der Gegenstand sehr schwer versteckt, muss der Hund sich die Lösung erarbeiten, so ist es auch noch anstrengende Kopfarbeit.

anspruchsvolle Kopf- und Nasenarbeit: die Suche im Trümmerfeld

Intelligenzspielzeug bei dem der Hund durch Schieben, Ziehen oder Anstupsen an Leckerlis kommt, regt auch zum Denken an. Statt teures Spielzeug zu kaufen, kann man vieles auch selber machen (s.a. Literatur “Hundespielzeug”). Eine empfehlenswerte Internetseite für die handwerklich und künstlerisch begabten Hundemenschen ist www.dogityourself.com. Hier werden viele Ideen zum Selbermachen vorgestellt.

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Für eine größere Darstellung, bitte auf das Bild klicken.

Eine sehr schöne Kopfauslastung ist das Spaziergengehen im Folgemodus. Das erfordert von Hund und Halter eine 100%ige Konzentration und ist sehr anstrengend. Von dem Hund wird gefordert, voll und ganz beim Besitzer zu sein (vor allem mit dem Kopf und nicht nur körperlich) und die Außenreize für den Moment auszublenden. Es ist vergleichbar mit einem sehr intensiven Gespräch, das zwischen Hund und Mensch geführt wird. Den Hund rechtzeitig daran zu erinnern im Gespräch zu bleiben, ist hier die eine Herausforderung. Die eigene Körpersprache darauf abzustimmen, ist die andere. Seinen Hund zu lesen und darauf einzugehen, ist die Basis für eine gute Beziehung.

Gerne zeige ich euch weitere Möglichkeiten der Kopfarbeit.

Körperliche Auslastung

Hunde brauchen Bewegung 

Das kann ein simpler Spaziergang sein. Auf einem Spaziergang gibt es viele interessante Gerüche für den (Nasen-)Hund. Eine längere Zeit mit dem Hund gehen/walken/joggen ist bereits eine effektive Auslastung. Es muss nicht zwangsweise ein „Bespaßungsprogramm“ erfolgen. Und wenn bei einem sozialverträglichen Hund zusätzlich noch der ein oder andere Hundekontakt zugelassen wird, ist das die natürlichste Form der Auslastung, die wir Menschen den Hunden bieten können. Wer seinem Hund draußen jedes Mal ein Feuerwerk von Aktionen bereitet, schafft schnell einen aufgeregten Hund in einer permanenten Erwartungshaltung. Zum Thema Hundespiel sollte der Mensch einiges beachten: es ist schön, wenn Hunde frei mit ihresgleichen kommunizieren und spielen dürfen, doch nicht jeder Hund ist spielfreudig und möchte mit anderen Hunden spielen. Im Spiel sollte es immer einen Rollenwechsel geben (immer der Gejagte oder immer der Jäger sein ist oft kein Spiel, sondern eine Mobbing- oder Jagdsequenz) und die Atmosphäre sollte ausgelassen und freudig sein. Raufbolde sollten im Hundespiel Zurückhaltung lernen, unsicheren Hunden die Zeit des Kennenlernens und Auftauens gegeben werden. Aus meiner Erfahrung heraus entstehen die meisten innerartlichen Probleme in sogenannten großen Welpenspielgruppen, in denen es vorrangig wilde Jagd- und Hetzspiele gab, statt der sinnvolleren Zweierkommunikation mit Ruhephasen.

Aktivität und Ruhe gehören zusammen. Beides sollte der Hund kennen, um ausgeglichen zu sein. Aktivität ist sicher der größere Spaßfaktor, doch wer „go“ sagt, muss auch „Stopp“ sagen (und aushalten) können. Zu den ruhigen und ausgleichenden Auslastungsformen gehört das ruhige (!) Gerätetraining. Auch als Therapie für verhaltensoriginelle Hunde ist es bestens geeignet. Hier lernt der Hund das „Zuhören“, die Konzentration und bekommt ein Bewusstsein für sich selbst. Gerade die hyperaktiven Hunde profitieren von der Langsamkeit, um ein Gefühl für ihren Körper zu erhalten. Hier wird mit viel Ruhe Pfote für Pfote über schwierige und wacklige Untergründe gesetzt, in dichter Zusammenarbeit mit dem Besitzer, der als „sicherer Hafen“ und ruhiger Motivator fungiert. Prädikat: besonders wertvoll!

Die innere Haltung des Besitzers ist hier ebenfalls wichtig!

„Vertraue mir, ich halte Dich!“

Mensch, spiel mit mir! Das Sozialspiel ist eine natürliche und höchst erfüllende Form des Zusammenlebens. Gerade wenn die Objekte (Ball, Zergel o.ä.) weggelassen werden, ist das eine schöne Ebene, um mit seinem Hund Spaß zu haben. Wichtig ist hierbei, dass es nicht um ein Wettbewerb oder „Kommando geben“ geht, sondern sich im Sinne des Sender-Empfänger Prinzips auf den Hund einzulassen. Dazu gehört: Rollenwechsel (mal der Unterlegene, mal der Überlegene zu sein), eine sichere Umgebung, Empathie und Selbsthandikap. Wenn beide Spielpartner sich freuen, ist genau die richtige Spielatmosphäre geschaffen. Ein empfehlenswertes Buch dazu: Auszeit auf Augenhöhe.

Spielen lebt vom Rollenwechsel in entsapnnter Atmosphäre.

Gemeinsame Aktivitäten, die dem Hund und Besitzer Freude bereiten, fördern die Bindung und Beziehung. Doch ist das richtige Maß wichtig und von Hund zu Hund unterschiedlich.

Weitere Möglichkeiten:

Ein gemeinsames “Jagen” lastet nicht nur den Hund aus, sondern stärkt auch die Beziehung. Das kann durch einen Futterbeutel-Spaziergang erreicht werden. Der Spaziergang besteht aus Verstecken, “Verlieren” und Werfen des mit Fressbaren gefüllten Futterbeutel. Dazu können noch Obedience-Elemente (Übungen zur Unterordnung) kommen, zum Beispiel das ruhige Warten bis zum Startsignal der Such- und Apportierarbeit. Das sind 20 aktive Minuten, die Ihren Hund Spaß machen und fordern. Einige Hunde erarbeiten sich eine Tagesration an Fressen aus dem Futterbeutel. Der Futterbeutel Spaziergang bedient alle drei Auslastungsformen: er ist körperlich anstrengend, die Nase wird eingesetzt und Kopfarbeit wird verlangt. Bei aufgeregten, hyperaktiven Hunden sollte der Futterbeutel nur versteckt, nicht geworfen werden.

Der Futterbeutel in „Hochlage“ an einem Ast.

Profis schwören auf Dummyarbeit, die nach festen Regeln ausgeführt wird. Im Gegensatz zum Futterbeutel (in dem Futter steckt) ist der Geruch feiner und die Sucharbeit somit anstrengender. Viele fangen mit dem Futterbeutel an und steigen dann auf den Dummy um. Dies Form der Auslastung fördert die Kooperationsbereichtschaft des Hundes. Elemente der Dummyarbeit sind: Markierapport – der Hund merkt sich die Fallstelle und bringt den Dummy auf direktem Weg zum Besitzer-, Einweisen -nur der Besitzer weiß, wo der Dummy liegt und weist dem Hund den Weg-, Freiverlorensuche -weder Hund noch Besitzer wissen, wo der der Dummy liegt, der Hund sucht weitestgehend selbstständig.

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Wenn Sie einen apportierfreudigen Hund besitzen, wird er viel Freude daran haben auf dem Rückweg des Spaziergangs etwas nach Hause zu tragen. Je nach Größe des Hundes gibt es unterschiedliche Apportierhölzer (zahnfreundlich und aus Naturmaterial). Natürlich kann es auch der Regenschirm oder die Leine sein. Beim Apportieren sollte im Aufbau darauf geachtet werden, dass der Hund den Gegenstand wirklich nur trägt und nicht darauf kaut.

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Gerade die körperlich schweren Rassen, wie z.B. die Sennenhunde, Neufundländer, Bernhardiner, freuen sich, wenn sie auf einem Spaziergang eine sinnvolle Aufgabe haben. Hunderucksäcke mit Getränken für alle (Zwei- und Vierbeiner) sind hier eine gute Idee.

 

Rein körperliche Auslastungen wie z.B. Fahrrad fahren mit dem Hund können auch gelegentlich durchgeführt werden, wenn Hund und Halter Spaß daran haben. Da neben dem Fahrrad herlaufen für den Hund eine stereotypische Bewegung der Gelenke ist, wird er kaum Müdigkeitserscheinungen danach zeigen. Deswegen ist es zwar für den Halter gesund, wenn er Fahrrad fährt, aber einen müden Hund bekommt man dadurch nicht. Da ist das Ziehen (mit Zuggeschirr) von Schlitten, dem Roller oder dem Menschen (CaniCross) wesentlich effektiver und für manche Hunde ein echt erfüllender Spaßfaktor. Die Ausrüstung ist hier wichtig: ein gut sitzendes Geschirr mit geeigneter Leine und außerdem Sicherheitsbekleidung für den Menschen, da eine gewisse Sturzgefahr vorhanden ist. Zudem sollte der Hund frühzeitig Impulskontrolle und Kommandos beim Ziehen lernen, sonst lässt sich die ungezügelte Kraft schlecht bremsen.

Besonderer Tipp: TOUGH HUNTER, eine Idee von Nadin Matthews von Dogument. Bei diesem Hindernisslauf müssen Mensch und Hund verschiedene Aufgaben im Team lösen. Dreck und Schlamm gehören genauso dazu, wie das Ausleben der natürlichen Instinkte des Hundes. Es darf gejagt, gerannt werden und das alles im sozialen Kontext. Üben kann man jederzeit und auch außerhalb diesem Events 🙂

Quelle Foto: frischerwind.de

Agility und Treibball sind ebenfalls tolle Auslastungsformen, die aber gut aufgebaut werden müssen. Einige Hunde verlieren sich schnell im Dopamin- und Endorphinrausch, so dass gerade am Anfang viel auf Ruhe, Konzentration und Impulskontrolle geachtet werden sollte. Sonst geht aus dem eigentlich sinnigen Actionspaß schnell ein übermotivierter Bewegungsjunkie hervor.

WICHTIG!

Bei der körperlichen Auslastung unbedingt auf die Gesundheit und Belastbarkeit eures Hundes achten. Ein Zuviel an körperlicher Auslastung kann einen „Leistungssportler“ schaffen, der sein tägliches Pensum einfordert und ein Zuwenig schafft einen unausgeglichenen Hund.

Leider habe ich mit Ball- und Frisbeespielen zu viel negative Erfahrungen gemacht. Neben der Verletzungsgefahr führt diese Art des Spielens häufig zu einem Suchtverhalten (siehe Artikel: der Balljunkie), indem es nicht mehr um die Beziehung Hund-Mensch geht, sondern nur noch um den Gegenstand. Aus diesem Grund taucht diese Form der “Auslastung” nicht in meinem Konzept auf. Ball, Frisbee oder die Reizangel nutze ich gern zu Übungszwecken für die Impulskontrolle oder als Motivation und Belohnnung bei Hunden, die damit umgehen können.

Viel Spaß mit euren Hunden wünsche ich euch 🙂 Vanessa Engelstädter