Ernährung

Zu dem Thema Ernährung beim Hund gibt es eine Menge Literatur, viele Meinungen von manchmal schon fanatischer Ausprägung. Da wird aus der Ernährung eine Religion, in der man dem Hund zum Beispiel kein Leitungswasser antun sollte, da es keine Mineralien enthält und verkalkt ist. Ich vertrete die Meinung, dass die Ernährung zum Hund und Halter passen sollte. Wieviel Zeit und Lust hat der Halter sich mit der Ernährung des Hundes zu befassen und was braucht der Hund, um gesund und ausgeglichen zu sein?

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Glänzendes Fell, Freude am Leben, gesund und munter…. welchen Anteil hat die Ernährung?

Unumstritten ist, dass Ernährung das Verhalten beeinflusst und die falsche Ernährung krank machen kann.

In den letzten Jahren ist die Ernährung des Hundes in den Fokus der Wissenschaft gerückt. Und es werden derzeitig einige neue wissenschaftliche Ergebnisse veröffentlicht und auch mit mancher altherbrachten Meinung aufgeräumt. Zum Bespiel ist eine wichtige aktuelle Erkenntnis, dass der Hund kein reiner Fleischfresser ist. Er kann im Gegensatz zum Wolf Kohlenhydrate verdauen.

Genauso wichtig ist die Erkenntnis, dass verhaltensauffällige Hunde (dazu zählen Hyperaktivität, übersteigerte Aggressivität und starke Unsicherheit) durch die Ernährung beeinflusst werden können.

Wenn Sie einen gesunden und ausgeglichenen Hund haben, den Sie mit Discounter Trockenfutter füttern und es gut in ihren Alltag passt, dann müssen Sie nicht zwangsweise etwas ändern. Auch wenn die Qualität bzw. der Inhalt dieses Futters alles andere als hochwertig ist. Stiftung Warentest (hat einige Discounter Trockenfuttermittel mit „sehr gut“ bewertet) testet zwar den Inhalt auf Mineralien, Vitamine und Zusatzstoffe, die für den Hund wichtig sind, der Test sagt aber nichts über die Qualität des Inhalts (z.B. des Fleisches) aus. „Fleisch und tierische Nebenerzeugnisse“ ist ein Begriff, der keine Aussage macht über die Art des Fleisches, wie groß der Anteil des Fleisches ist und was genau die Nebenerzeugnisse beinhalten (Schnäbel, Krallen etc.). Bei Nass- und Trockenfutter gehen allein schon bei der Herstellung eine Menge Mineralien und Vitamine verloren, die dann wieder künstlich zugesetzt werden müssen.

Es muss nicht immer alles schlecht sein, aber die Futtermittelindustrie ist ein Milliardengeschäft und achtet in den meisten Fällen eher auf den Gewinn als auf die Qualität. Und ein großer Gewinn wird durch eine günstige Produktion, einen guten Verkaufspreis und Werbung gemacht. Dessen sollte man sich bewusst sein. Diverse Artikel und Studien weisen auch auf einen Zusammenhang zwischen industriell gefertigtem Hundefutter und chronischen Erkrankungen (wie z.B. Pankreasinsuffizienz), Stoffwechselerkrankungen und Erkrankungen des Skelett- und Bewegungsapparates (HD) hin. Da es bisher aber keine hundertprozentige Bestätigung gibt, möchte ich das zwar anmerken, aber noch nicht in meiner Ausführung zu dem Thema Ernährung umsetzen.

Bei Nass- und Trockenfutter ist auch auf den Proteingehalt zu achten. Ein erhöhter Proteingehalt (über 25%) ist für Welpen, trächtige bzw. säugende Hündinnen und Leistungssportler(-hunde) geeignet, der normal ausgelastete Familienhund sollte zwischen 20-23% Protein zu sich nehmen. Allerdings beißt sich hier die Katze selbst in den Schwanz, ein niedriger Proteinwert kann dazu führen, dass mehr Getreide im Futter ist. Also auch hier, bitte die Zutatenliste genau studieren. Ein normaler Hund kann durch eine erhöhte Proteingabe hibbelig werden, ein permanent gestresster Hund braucht wiederum mehr (hochwertiges!) Protein, um seinen Hormonhaushalt auszugleichen und die inneren Organe optimal zu versorgen. Das sind Einzelfallentscheidungen. Schauen Sie sich ihren Hund an, das gibt viel Aufschluss darüber, wie er das Futter verträgt und was er braucht.

Bei Nassfutter bitte ebenfalls genau die Zutatenliste lesen (was ein Hundefutter generell nicht enthalten sollte, siehe unten). Allerdings ist die geringere Proteinangabe auf dem Nassfutter ein Trugschluss. Da es in den meisten Fällen prozentual ausgedrückt wird (Nassfutter enthält bis zu 80% Wasser, Trockenfutter ca. 7% Wasser). Das heißt, wenn auf dem Nassfutter 7% Rohprotein steht, kann man diesen Wert nicht mit dem Rohproteinwert auf dem Trockenfutter vergleichen (z.B. 25%). Vergleichbar wird Rohproteingehalt von Nassfutter und Trockenfutter, wenn man den Nassfutterproteinwert x 3,5 nimmt.

Hunde zeigen, was sie brauchen

Hunde, die viel(!) Gras, Erde oder Baumrinde fressen, haben häufig einen gereizten Magen oder Darm. Das kann verschiedene Gründe haben: Stress, falsches Futter, der Hund ist übersäuert, hat einen Mangel etc. Hier kann man neben der Ursachenforschung auch Gegenmaßnahmen treffen. Heilerde (im Drogeriemarkt erhältlich), Moorpulver  oder Ulmenrindenpulver sind gute und kostengünstige Mittel, um die Magen- und Darmflora wieder ins Gleichgewicht zu bringen. 1-2 Esslöffel Quark oder Naturjoghurt kann die Magenwände auch „besänftigen“. Gras in Maßen fressen ist allerdings normal!

Hunde, die Kräuter wie z.B. Melisse fressen, Hagebutten von den Rosen abknabbern oder Sonnenblumen- oder Brombeerblätter zu sich nehmen, gleichen oft etwas aus. Zum Beispiel wirkt Melisse beruhigend und Brombeerblätter haben einen positiven Einfluss bei Magen-Darmentzündungen. Wenn man dieses Verhalten beobachtet, können die genannten Stoffe  gerne zugefüttert werden (z.B. Hagebuttenpulver oder Heilkräuter). (weiter Infos zu dem Thema Heilpflanzen: hier)

Hunde, die Kohle fressen, haben oft Magen- Darmprobleme. Auch hier kann man dieses Fressverhalten zulassen (natürlich in Maßen). Kohle gibt es auch in Form von Kohletabletten zu kaufen, hilft bei Durchfällen und ist auch eine Erste-Hilfe-Maßnahme bei der Einnahme von Giftködern, Haushaltsgiften, Industriegiften und Giftpflanzen. Auch das Moorpulver hat hier geholfen.

Hunde, die Gips von den Wänden knabbern, können evtl. einen Mangel haben. Hier haben sich rohe Eierschalen, Bierhefetabletten oder Algenkalk als Zusatz bewährt.

Hunde, die Unrat (Kot oder Aas) fressen, haben sich entweder dieses Verhalten angewöhnt (es kann ursprünglich aus einem Mangel entstanden sein), haben derzeit einen Mangel, kompensieren vorhandenen Stress oder es schmeckt ihnen schlicht und einfach gut. So eklig wir Menschen es finden, für den Hund ist es eine normale Verhaltensweise (welche wir selbstverständlich nicht akzeptieren müssen). Hier kann erzieherisch über Abbruchsignale oder auch rein positiv über „zeigen und benennen“ gearbeitet werden. Eine Pansenkur (tägliches Zufüttern von frischem Pansen) oder alter, gut durchgereifter Harzer Käse können als Zugabe helfen, Ulmenrindenpulver als Zusatz wurde ebenfalls als positiv bewertet.

Wer sich von der Futtermittelindustrie lossagen möchte, kann auf BARF (biologisch artgerechte Rohfütterung) umstellen oder auch selber kochen (dämpfen). Allerdings sollte man dazu einen Ernährungsexperten hinzuziehen, da diese Ernährungsform genau auf den Hund abgestimmt werden sollte. Und je nach Größe des Hundes, wird man schon bald über den Kauf einer zweiten Tiefkühltruhe nachdenken müssen. BARF ist wie der Name schon sagt eine Rohfütterung, in der Regel auch ohne Getreide (gut für Hunde mit Getreideallergie). Da rohes Fleisch und Gemüse schwer verdaubar ist, sollte für einen Hund mit sensiblem Magen oder vorhandenen Krankheiten, wie z.B. Pankreasinsuffizienz, alles gegart werden (im Dämpfer gibt es weniger Vitamin- und Mineralienverluste). Und gegen gegarte Kartoffeln oder Reis spricht, wie oben bereits erwähnt, auch nichts.

Meine persönliche Empfehlung

Je nach Zeit und Wunsch des Halters und Zustand des Hundes sind alle Fütterungsformen in Ordnung.

Die natürlichste und ursprünglichste Ernährungsform unserer Haushunde seit der Domestikation sind die Essensreste der Menschen, allerdings gab es früher auch keine TK-Fertigpizza und Mc Donalds 😉

Ich bewundere die BARFer, die viel Zeit in das Organisieren, dem Zusammenstellen und der Zubereitung des Futters für ihre Hunde stecken und wenn es den Hunden gut geht, ist es eine auslastende Form der Fütterung. Wer barfen möchte, hat gerade hier in Wolfsburg Glück, dass wir eine Pferdeschlachterei haben, die auch einen BARF-Shop hat. Die Besitzerin ist fachkundig und kann Ernährungspläne erstellen. Außerdem gibt es einige empfehlenswerte Online-Shops, bei denen es Starter-Pakete gibt, die bereits portionsgerecht verpackt und fachgerecht zusammengestellt sind (auch in Bio-Qualität).

Wer Trockenfutter oder Nassfutter verwendet, kann durch Abwechslung ebenfalls Gutes bewirken. Einmal die Woche ein rohes Ei (auch gerne mit Schale), täglich die Möglichkeit etwas zu kauen: rohe Möhren, Äpfel, Ochsenziemer, getrockneter Pansen (wegen den anhaftenden Verdauungsenzymen auch für an Pankreasinsuffizienz erkrankte Hunde geeignet) und rohe Knochen (im rohen Zustand gibt es keine Splittergefahr, alle Knochen außer vom Schwein erlaubt). Hasel- und Walnüsse knacken Hunde auch gerne und sind in kleinen Mengen wegen den vorhandenen Fettsäuren gesund. Wer gerne Trockenfutter verwenden möchte, dem empfehle ich kaltgepresstes Trockenfutter (durch schonenderes Herstellungsverfahren weniger Vitamin- und Mineralienverluste), aber Vorsicht: einige magenempfindliche Hunde vertragen das kaltgepresste Futter nicht so gut und reagieren mit einem erhöhten Magensäurespiegel darauf. Wichtig ist bei jedem Trockenfutter auf die Zutatenliste zu achten. Ein Beispiel dazu, welche Feinheiten und Unterschiede es hier gibt: steht auf der Verpackung an erster Stelle z.B. Geflügelmehl hört sich das erst mal nicht schlecht an. Leider ist aber nicht genau beschrieben, was denn vom Geflügel hier verwertet wurde (Schnäbel, Krallen, Federn?). Steht dort aber Geflügelfleischmehl, ist es tatsächlich das Fleisch vom Geflügel und auf jedem Fall dem Geflügelmehl vorzuziehen (am Schluß des Artikel finden ihr die komplette Deklaration der Begriffe). Die Industrie wird im Sinne der Eigenwerbung qualitätsreiche Zusätze IMMER hervorheben bzw. deklarieren. Je weniger Genauigkeit die Beschreibung aufweist, desto eher kann davon ausgegangen werden, dass hier keine hohe Qualität verwertet wird.

Mittlerweile habe ich einige Hundebesitzer kennengelernt, die einen Teil ihres eigenen Essens ungewürzt in den Dämpfer geben und dann den Hund damit füttern. Morgens gibt es Trockenfutter, abends Selbstgekochtes (natürlich hundegerecht: bitte keine Bohnen o.ä.). So kennt der Hund neben dem leckeren Selbstgekochten auch ein verträgliches Trockenfutter, auf das im Urlaub oder wenn mal wenig Zeit ist problemlos zurückgegriffen werden kann. Das wird auch bei einigen chronisch kranken Hunden praktiziert, ich finde das eine sehr empfehlenswerte Ernährungsmethode.

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Bei trockener, schuppiger und juckender Haut hat sich Nachtkerzenöl als Futterzugabe bewährt.

Leinöl kombiniert mit Lachsöl ist wegen den Omega-3 -Fettsäuren besonders wertvoll für einen gesunden und ausgeglichenen Organismus des Hundes (weitere Infos zu Fette und Öle hier).

Schwarzkümmelöl sorgt nicht nur für glänzendes Fell, sondern wirkt auch ausgleichend bei Magenproblemen und soll nach neuesten Erkenntnissen Zecken fernhalten.

Gerade bei Leckerlis, die es im Handel zu kaufen gibt, sind häufig noch Zuckerzusätze enthalten, um die Akzeptanz bei den Hunden zu erhöhen. Ich empfehle pure Leckerlis, wie Käsewürfel, getrockneten Fisch, getrockneten Pansen zerkleinert oder Fleischstückchen roh oder gekocht. Es gibt auch gute Rezepte zum Selbstzubereiten der Leckerlis (siehe unten).

Von Diätfutter zur Abnahme rate ich generell ab. Meistens wird das Fett reduziert, was das Futter weniger energiedicht macht. Tiere nehmen normalerweise intuitiv nur Futter auf, um ihren Energiebedarf zu decken. Wenn die Energiedichte zu niedrig ist, hat man einen permanent hungrigen Hund. Umgekehrt, wenn die Energiedichte hoch ist und geschmacksverstärkende Zusatzstoffe wie Zucker o.ä. vorhanden sind, hat der Hund kein natürliches Sättigungsgefühl mehr, es findet eine Überernährung statt. Ein Grund für Übergewicht. Weitere Gründe für Übergewicht können sein: zunehmendes Alter, hormonelle Beeinflussung (z.B. durch Kastration), Aktivitätsgrad.





Quellenangaben:
Ernährung von Hund und Katze Leitfaden für Tierärzte von Linda P. Case;

Barf von Swanie Simon;
Ernährung des Hundes von Meyer und Zentek;
„Verhaltenstherapie aus dem Futternapf?“ Artikel von Sophie Strodtbeck
und die wichtigste Quelle: eigene Erfahrungen und die Erfahrungen von anderen Hundehaltern
Quelle der Karikatur: www.wlwks.de