Hundetrainer

Was unterscheidet einen guten Hundetrainer von einem schlechten Hundetrainer?

Es lohnt sich darüber im Vorfeld nachzudenken, für den Kunden, der sich gut aufgehoben wissen möchte und auch für jeden Hundetrainer, der sich weiterentwickeln möchte. Und eines sei vorweggenommen: es ist eine sehr individuelle Angelegenheit.

Ob ein Hundetrainer gut ist oder nicht, entscheidet letztendlich der Kunde für sich. Jeder Kunde legt auf etwas anderes Wert. Der eine möchte ein persönliche Betreuung mit einem guten Gefühl in lockerer Umgebung, der andere möchte einfach nur ein solides Hundetraining und mit seinem Hund etwas erreichen. Nicht jedem Kunden wird ein Hundetrainer gerecht.

Wichtig ist, dass ein Hundetrainer seinen Weg findet. Das ist nicht einfach, weil es DEN einen Weg nicht gibt, genauso wenig wie DEN Hund, DIE Methode oder DIE Analyse. Es nutzt auch wenig, Vorbildern nachzueifern. Denn eines muss klar sein: jeder ist einzigartig, in seinem Denken, in seinem Handeln und in seinem Fühlen. Und Wissen allein macht noch lang, keinen guten Hundetrainer aus. Es gehört wesentlich mehr dazu… denn eigentlich coachen wir Menschen, wir sind also Menschentrainer Fachrichtung Hund 😉

Ein guter Hundetrainer sollte authentisch sein.

Das funktioniert nur, wenn man sich mit sich selber auseinandersetzt. Wenn man wissend um seine Stärken und Schwächen ist. Das was man sagt, muss man auch denken und fühlen. Dann passt auch die Körpersprache dazu.

Das Gefühl kommt einen vielleicht bekannt vor: Ein Kollege/Freund/Nachbar erzählt etwas und irgendwie hat man das Gefühl, dass er es nicht so meint, wie er es sagt. Unser Bauchgefühl sagt uns, da passt etwas nicht. Woran liegt das?

Dieses Gefühl beschleicht uns, wenn die Gestik und Mimik nicht zu dem Gesagten passt. Ein geschultes Auge erkennt so etwas sehr schnell, ein weniger geschultes Auge bemerkt auch die Abweichungen, ohne sie vielleicht deuten zu können.

Es muss nicht immer eine Lüge sein, auch Unsicherheit und Selbstzweifel kann man an der Körpersprache ablesen.

Umso wichtiger ist es, gerade als Hundetrainer sich auch mit seinen Schwächen, die jeder Mensch hat, auseinander zu setzen. Denn auch wenn der Mensch nicht sofort die Schwächen erkennt, ein Hund tut es. Und wer mit verhaltensauffälligen Hunden arbeitet, muss sehr klar in seiner Kommunikation und seinem Denken sein.

Bei schwierigen Hunden kann man nicht A denken, B sagen und C machen.“  (leider ist mir der Urheber dieses so perfekt auf dem Punkt gebrachten Spruchs nicht bekannt)

Ein guter Hundetrainer sucht immer nach der Wurzel des Problems.

Nur wenn der Ursprung gefunden ist, kann auch schnell und nachhaltig geholfen werden.

Weder ist nur der Halter Schuld, noch nur der Hund. Wenn zwei Individuen aufeinandertreffen, kann es zu ganz unterschiedlichen Handlungsketten führen. Manchmal ist es positiv, manchmal negativ. Ein schwacher Mensch, „hebt“ einen nicht sehr starken Hund und schnell kommt die Aussage „der Hund ist dominant“ oder ein starker Mensch „drückt“ seinen schwachen Hund und schnell sind wir bei der Aussage einiger Experten „erlernte Hilflosigkeit“. Das sind nur zwei kleine Beispiele einer Handlungskette.

Die Gründe für Verhaltensauffälligkeiten können mannigfaltig sein: prägende Erlebnisse, keine Grenzen, zu viele Grenzen, zu viel Auslastung, zu wenig Auslastung, unklare Kommunikation, Krankheiten, Trauma, Schmerzen, neurologische Probleme, hormonelle Dysfunktionen (letztere müssen natürlich von einem Tierarzt geprüft werden). Als besonders wichtigen Punkt muss die Bindung und Beziehung als Basis eines jeden Mensch-Hund Teams betrachtet werden. Denn wenn es in dem Bereich (noch) nicht optimal ist, sollte dort angefangen werden, bevor die eigentlichen (augenscheinlichen) Probleme in Angriff genommen werden.

Ein guter Hundetrainer versucht weitestgehend vorurteilsfrei nach dem Grund zu suchen. Das ist leichter gesagt, als getan, denn ganz frei von Vorurteilen ist man nie. Es hilft, die Menschen, Hunde und Beschreibungen der Probleme nicht sofort in Schubladen zu sortieren, sondern erst einmal zu zuhören und die Probleme des Gegenübers ernst zu nehmen. Ein großer Vorteil ist es auch, wenn der Hundetrainer nicht in Methoden denkt, manchmal bewirkt ein Zuhören und kleine Tipps im Umgang mit dem Hund mehr, als jede durchstrukturierte Trainingsmethode.

Ein guter Hundetrainer kann den Hund und den Halter einschätzen.

Um einen Menschen korrekt charakterisieren zu können, bedarf es schon eines Psychologiestudiums und einer Menge Erfahrung. Allerdings gibt es auch hier Seminare und Weiterbildungen, um seine Urteilsfähigkeit zu schulen. Als Hundetrainer nur mit Hunden gut zu können, macht keinen guten Hundetrainer aus. Denn um eine langfristige Veränderung bei dem Hund zu bewirken, muss immer auch der Besitzer „abgeholt“ werden. Er ist der Schlüssel zu einer Verhaltensänderung beim Hund und er wird nur alles motiviert umsetzen, wenn er sich gut aufgehoben und verstanden fühlt.

Jeder Hundetrainer sollte sich für seinen eigenen Weg entscheiden, wie er Hunde und Menschen einschätzen kann. Einige wenige schaffen es rein intuitiv, sich individuell auf Hund und Mensch einzustellen, andere nehmen gerne bereits vorhandene Methoden zur Hilfe. Man muss daraus weder eine Religion, noch eine Wissenschaft machen, es sind Hilfsmittel, um die geeignete Methode für eine Verhaltensmodifikation zu finden und den Besitzer abzuholen und gegebenenfalls zu motivieren.

Jeder angehende Hundetrainer sollte sich vor allem eines bewusst machen: die Kombination Hund-Mensch kann hochgradig emotional werden. Gerade bei verhaltensauffälligen Hunden haben die Besitzer nicht nur mit dem Hund „zu kämpfen“, sondern meistens auch mit ihren Emotionen. Hier ist Mitgefühl und Empathie gefragt, Mitleid(en) wäre eher kontraproduktiv.

Ein Möglichkeit die Halter einzuschätzen und zu motivieren, ist die Sortierung in das Farbschema rot, grün, blau, gelb nach Max Lüscher. Diese Methode ist einfach, nicht zu tiefgehend und kann eine Hilfestellung sein.

Die Hunde können zum Beispiel grob nach A-Typen (neugierig, offen, extrovertiert) und B-Typen (schüchtern, introvertiert), stabil und instabil unterteilt werden.

Wer in die Tiefe gehen möchte, setzt sich mit den Big Five der Persönlichkeitsanalyse auseinander.

Außerdem gibt es noch das große Feld der individuellen und rassetypischen Eigenschaften, wer mehr darüber lesen möchte: „Hunde, jeder eine eigene Persönlichkeit“.

Die Reinform aller Sortierungen gibt es nur selten, meistens sind es Mischformen, bei denen ein Typus überwiegt.

Ein guter Hundetrainer möchte, dass der Kunde alles versteht und sich verstanden fühlt. Er holt den Kunden und Hund dort ab, wo er gerade steht.

Es ist nicht leicht mit den unterschiedlichsten Menschen und ihren Einstellungen auszukommen. Die Sympathie ist natürlich auch entscheidend. Aber es hilft nichts, den Kunden zu verteufeln, wenn Fehler passiert sind oder das Training nicht so läuft, wie wir es uns gewünscht haben. Dann sollte ein guter Hundetrainer es dem Kunden noch mal anders erklären.

Wenn ich bei einem Fall nicht weiterkomme, rufe ich gerne Kollegen an und wir diskutieren darüber. Denn manchmal, und das kann auch passieren, sieht man den Wald vor lauter Bäumen nicht.

Wenn Kunde und Hundetrainer sich von Grund auf nicht sympathisch sind, sollte ein Training auch nicht angefangen werden. Denn zu einem Hundetraining gehört viel Vertrauen und die Basis hierzu ist Sympathie. Außerdem sollte der Hundetrainer sich auch selbst kennen, manchmal versperren unsere Einstellungen den Weg: das Helfersyndrom, fehlende Abgrenzung oder die eigene Eitelkeit sind nur einige „Fallen“ in die man tappen kann.

Ein guter Hundetrainer klärt auch über die Grenzen und Risiken auf.

Hunde sind keine Roboter. Wir können eine Menge über gute Hundeerziehung und Bindung und Beziehung erreichen, aber 100%-ige Abrufbarkeit, Leinenführigkeit und Aggressionslosigkeit gibt es nicht. Selbst der besterzogenste Hund hat mal schlechte Tage oder Antipathien auf der Hundewiese.

Ein guter Hundetrainer verwendet viele unterschiedliche Methoden und lernt immer dazu.

Kein Hundetraining gleicht dem anderen, weil jedes Mensch-Hund Team anders ist, die Wurzel des Problems und die Erwartungen der Halter unterschiedlich sind.

Wer sich als Hundetrainer ideologisch und dogmatisch verhält, verschließt sich vor dem breiten Feld der Methoden und schränkt sich somit ein. Wer wirklich individuell auf Kunden eingehen möchte, sollte offen für alles sein.

Ein guter Hundetrainer lernt jeden Tag etwas Neues dazu. Mit jedem neuen Kunden und jedem neuen Hund wächst Tag für Tag die Erfahrung. Ein Mensch (wie auch der Hund) lernt ein Leben lang.

Ein gutes Hundetraining ist jedoch mehr als das Aneinanderreihen von Methoden: es ist das Leben, 24 Stunden am Tag, 7 Tage die Woche, 365 Tage im Jahr. Darauf soll der Hundebesitzer vorbereitet werden. Am Ende des Trainingsweges soll er selbstständig Entscheidungen treffen können, welche Reaktion in welcher Situation angemessen und passend ist.

Fachwissen ist gefragt, aber nicht nur…..

Fachwissen kann man sich aneignen, durch Seminare, Fachbücher, Fachzeitschriften und dem Austausch mit Kollegen. Das ist alles wichtig, doch darüber hinaus sollte ein guter Hundetrainer ein gutes intuitives Geschick im Umgang mit Hunden und den Kunden haben. Empathie ist entscheidend!

Weitere Merkmale (von Kunden genannt): Ein guter Hundetrainer sollte……

…..ein gutes Bauchgefühl haben, offen sein, zuhören können, eine positive Grundeinstellung haben, klar in der Kommunikation sein, diplomatische Ehrlichkeit besitzen, motivieren können, nicht verurteilen, ein gutes Auge für Feinheiten besitzen, Körpersprache des Hunde gut lesen können, freundlich und hilfsbereit sein, am „Ball bleiben“, durchgreifen können, neugierig sein, locker sein, aufmerksam sein, lächeln können,…

 

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Quelle der Karikatur: www.wlwks.de

2 Gedanken zu „Hundetrainer

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