Mensch und Hund, eine ganz natürliche Verbindung?

Lange Zeit lebten wir im Einklang mit der Natur. Dann fing unsere Umwelt an sich zu verändern und wir pass(t)en uns an. Stress, Termin- und Leistungsdruck steht auf der Tagwesordnung, immer weniger Zeit für immer mehr Informationen. Die Folgen sind Burn-out, Depressionen und andere Zivilisationskrankheiten. Laut der BPtK-Studie „Arbeitsunfähigkeit und psychische Erkrankungen 2012“ haben sich die Fehltage seit dem Jahr 2000 aufgrund seelischer Leiden fast verdoppelt. Eine bedenkenswerte Entwicklung. Auch unsere Hunde müssen sich diesen Begebenheiten anpassen. Zum einen müssen sie mit der Stimmungsübertragung (z.B. gestresst sein) zurecht kommen und zum anderen müssen sie sich ebenfalls an die laute und stressige Umwelt gewöhnen.

Was hat das mit der Hundeerziehung zu tun?

Die Anforderungen und Erwartungen an unsere Hunde und an uns sind gestiegen. Während es früher „normal“ war, dass ein Hofhund Fremde anknurrte, der eigene Hund sich draußen mal mit anderen Hunden anlegte und zu Hause vor allem Essensreste als  Hundenahrung dienten, sieht es jetzt anders aus. Aggressives Verhalten gilt als unnormal und eine große Hundeindustrie sorgt dafür, dass es den Hunden an nichts fehlt. Auch an Sachen, von denen die Hunde selbst noch nicht wussten, dass es ihnen bisher gefehlt hatte.

Es gibt Rasselisten, Rudelstellungen, Einfuhrbestimmungen, Wesensteste, einer Menge unterschiedlicher Methoden zur Hundeerziehung und in einigen Fällen Euthanasie bei verhaltensauffälligen Hunden.

Hier regulieren wir und dort schaffen wir wieder eine Überpopulation, in Welpenfabriken mit Billigwelpen und überzüchteten, gegen jeder Natürlichkeit sprechenden, Rassehunden. Teilweise sind es gezüchtete „Hochpotenzen“, denen ein Leben in unserem Alltag schwer fällt. Wo eine Nachfrage ist, gibt es ein Angebot. Auffällig ist, dass sich jeweils die beliebteste Rasse in kürzester Zeit zu einer verhaltensauffälligen Rasse entwickelt hat. Der Schäferhund, der Labrador und derzeit der Border Collie hat es durch verantwortungsloses Züchten nicht nur zu den Nr. 1 Rassen der Beliebtheitsskala gebracht, sondern auch zu den Nr. 1 Rassen der verhaltensauffälligen und gesundheitlich beeinträchtigten Hunde.

Dabei kann jeder angehende Hundebesitzer dazu beitragen, dass diese Entwicklung nicht weiter fortgeführt wird. Billigwelpen, Schnäppchen im Internet und Verkäufe aus Schuhkartons am Straßenrand sind beispielsweise keine gute Wahl.

Wurde die Wahl getroffen und ein zum Bespiel Welpe zieht ein,  wird oft die Welpenschule besucht. Eine Menge Fragen tauchen auf, zum Beispiel „wie bringe ich dem Hund die Leinenführigkeit bei?“, „wie bekomme ich den Rückruf hin?“ oder „wie schaffe ich es, dass der Hund ein paar Stunden alleine bleiben kann?“. Viele trauen sich nicht mehr ihren Hund ohne Konzept und Ratschläge von einem Hundeprofi zu erziehen. In der Literatur ist einiges an Erziehungsratgeber zu finden, dort sind viele Bücher, die das Verhalten der Vierbeiner sehr gut erklären, vorhanden. Doch kaum ein Erziehungsratgeber schafft es, alle Probleme zu lösen. Das Thema Mensch und Hund ist zu komplex mit all den Persönlichkeiten, Stimmungsübertragungen und Wechselwirkungen, als dass ein Buch ausreichen würde. Mag der eine Tipp noch bei dem einen Mensch-Hund-Team passen, kann es bei einem anderen Team ganz anders aussehen. Wenn wir die zwei extremen Hundeerziehungswelten beleuchten: die eine Seite stopft den Hund mit Leckerlis zu, konditioniert und klickert den Hund zum hilflosen Roboter, Konflikten wird aus dem Weg gegangen. Die andere Seite erwartet Perfektion von dem Hund, zum Teil wird entgegen der Bedürfnisse des Hundes gearbeitet.

Die goldene Mitte finden, die eigenen Bedürfnisse und die Bedürfnisse des Hundes erkennen und in der Kombination einen unangestrengten Weg der Hundeerziehung gehen, wäre ein gutes Ziel, das es zu erreichen gilt.

Natürlich ist es wichtig und richtig: ein guter Hundetrainer kann helfen, bei Unsicherheiten oder Alltagsproblemen in der Hundeerziehung. Bei Verhaltensauffälligkeiten (Hyperaktivität, übersteigertes Aggressionsverhalten, extreme Unsicherheiten) eines Hundes ist ein guter Hundetrainer sogar ratsam.

Doch kein anderes Tier „versteht“ uns so gut und kann sich so perfekt anpassen wie der Hund.

In der Hundeerziehung muss das Rad nicht neu erfunden werden. Das Wissen ist vorhanden. Es steckt in jedem von uns.

Hören wir uns selber zu, öffnen unsere Augen und unseren Verstand für unsere Umwelt und für unsere Hunde. Überprüfen wir unsere Erwartungen und Wünsche.

Für einen natürlichen Umgang mit unseren Hunden.

CIMG9662

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.